Über mich

Über mich – Warum ich der bin, der ich bin.

Im Sommer 2017 besuchte mich ein Buchautor. Er wollte etwas über meinen Lebenslauf wissen. Mir war nicht ganz klar, was er eigentlich so alles von mir wollte. Nach unserem Gespräch schickte er mir “meine Lebensstory”. Ich muss sagen, ich erkenne mich doch wieder, auch wenn es ein wenig schwülstig ist 😉

Lest es selbst:

Harte Schale, weicher Kern

Ich fahre an den Rand des Harzes nach Goslar. Dort habe ich mich mit einem Landtagsabgeordneten der SPD verabredet. Ich will seine Lebensgeschichte aufschreiben und erfahren, warum er wieder in den Landtag will. Er, das ist Dr. Alexander Saipa, und er sagt gleich zu Beginn unseres Gesprächs: „Ich mag solche Portraits überhaupt nicht. Ich rede nicht gerne über mich. Das ist für mich ein ganz schwieriger Termin.“

Dr. Saipa macht es mir nicht leicht. Er ist ein nüchterner Typ mit klaren, kurzen Sätzen. „Leben Sie gerne hier?“, frage ich ihn und er antwortet nur: „Ja!“. Na toll, denke ich, das wird ja ein ganz ausführliches Portrait.  Der Abgeordnete kann mir präzise erklären, was es braucht, um die Stadt weiterzuentwickeln. Insgesamt habe ich schnell den Eindruck, dass Präzision genau sein Stil ist. Er erklärt mir gerne, wie er sich dafür einsetzt, dass seine Heimatregion nicht nur als Ausflugsziel, sondern vor allem auch als Technologie- und Wirtschaftsregion anerkannt wird. Was bei anderen Politikern oft wie allgemeine Phrasen klingt, hat bei ihm Substanz. Mein Urteil ist schnell gefällt: ein starker Macher, aber kalt.

Doch während wir sprechen, kommen seine Frau und sein kleiner Sohn um die Ecke. Der Kleine zeigt stolz ein neues Spielzeugfeuerwehrauto her. Saipa steht auf, geht auf seinen Sohn zu und ist ein neuer Mensch. Voller Liebe, voller Begeisterung, ganz nah und einfühlsam. Diesen Saipa will ich auch kennenlernen!  Als er nach einer Weile zurück an den Tisch kommt, sagt er nur kurz „Sorry, mein Sohn ist immer das Wichtigste. Wir können weitermachen.“ – Ich selbst habe gar keine Lust, weiterzumachen mit den Wirtschaftsdaten der Region, mit den landespolitischen Zielen, mit den Chancen für Niedersachsen. Ich würde gerne herausfinden, wer dieser Saipa ist, der mir im einen Moment so kühl erscheint und im anderen als der herzlichste Vater der Welt.  Meine Frage an ihn: „Wie sind sie geworden, wer Sie sind?“  Saipa regt in seiner Jugend so manchen Lehrer auf. Er hat häufig nur den Skateplatz oder Surfsee im Kopf und macht für die Schule nur das Nötigste. Seine Eltern fragen sich, was aus ihm mal wird, aber sie hören nie auf, zu ihm zu halten. Im Grunde interessieren ihn die meisten Fächer in der Schule nicht. Nur die Chemie, die hat es ihm angetan. Er hat einen sehr strengen Chemie-Lehrer, der stets auf Präzision pocht und dabei immer fair bleibt. Seine Mitschüler kommen nicht mit diesem Lehrer klar. Saipa ist begeistert.  In den anderen Fächern verhält es sich meist genau andersherum. Nach 13 Jahren bringt er schließlich ein lustloses 3er-Abitur zustande. Eine gute Note in Chemie, der Rest… naja.

Dr. Saipa – langsam wird die Geschichte für mich interessant. Wie wird aus einem Jugendlichen, der die Schule nicht so ernst nimmt, ein promovierter Abgeordneter?

Erfolg im Studium 

Der junge Saipa geht zum Bund und ist furchtbar unterfordert. Die ewigen Befehle und immer gleichen Aufgaben langweilen ihn. Also entschließt er sich, sich eine Herausforderung zu suchen. Ein Studium der Chemie soll es werden. Dafür spart er seinen gesamten Jahresurlaub bei der Bundeswehr auf, um ihn ganz am Ende an einem Stück zu nehmen. Das ermöglicht ihm, ein Semester früher mit dem Studium zu beginnen. Er geht an die Technische Universität Clausthal. Schon nach einem Semester merkt der junge Faulpelz, dass das Studium und die Chemie genau sein Ding sind. Er beginnt mit vollem Eifer zu studieren. Experimentiert fleißig, besteht seine Klausuren und wird richtig gut in seinem Fach. Was ihm keiner zugetraut hatte, wird schließlich wahr. Saipa schließt sein Studium in Rekordzeit ab. Er steht mit einer Sektflasche vor der Hochschule und sieht auf dem Handy, dass sein Vater anruft. Ja, seine Eltern können stolz sein auf ihn. Das ist der Tag seines Triumphes. Er nimmt ab und merkt gleicht, dass etwas nicht stimmt. Sein Vater gratuliert ihm nicht, sondern teilt ihm mit: „Mama ist tot.“. Saipa bricht zusammen.

Der harte Schlag

Der Tod der Mutter wirft den jungen Mann aus der Bahn. Alles, was ihm immer Halt gegeben hat, ist plötzlich weg. Er vergräbt sich. Nach Wochen sitzt er wie so oft in dieser Zeit mit seinem Vater zusammen. Der sagt: „Du musst Deinen beruflichen Weg weitergehen.“. Saipa weiß nicht wie. Hier im Harz tut alles weh. Nach langem Überlegen folgt er schließlich einer Einladung seines Professors, mit nach Stuttgart zu gehen. Für ihn eine Chance, Abstand zu bekommen. An den Abenden telefoniert er lange mit seinem Vater. Beide Männer geben sich gegenseitig Halt. Der Anfang in Stuttgart fällt Saipa lange Zeit schwer. Immer wieder denkt er über den Verlust seiner Mutter nach, bis er schließlich zu der prägenden Erkenntnis seines Lebens gelangt:

Man muss sein Leben leben, wie man es möchte. Es kann ganz kurz sein.“

Aufrappeln

Jetzt ist Schluss! Wenn Saipa eine Entscheidung trifft, dann geht es manchmal schnell. „Ich kann mich nicht immer nur von anderen tragen lassen.“ Saipa will endlich sein Leben selbst in die Hand nehmen. Sich selbst Halt geben, anstatt darauf zu hoffen, dass sein Vater ihm Halt gibt, seinen eigenen Berufsweg gehen, statt einem Professor zu folgen. Saipa nimmt sein Leben wieder auf. An der Uni spricht er endlich die Frau an, in die er sich bereits verliebt hatte, als er sie das erste Mal sah. Heute ist sie seine Frau und Mutter seines Sohnes. Er beginnt, sich politisch in die SPD einzubringen. „Und ich habe gemerkt, wie viel Freude es mir macht, etwas vor Ort zu verändern.“ Saipa schließt seine Promotion ab und erhält den Doktortitel.

„Seit dieser Zeit habe ich das Gefühl, mich kann nichts mehr aufhalten. Und ich weiß, dass meine Mutter genau darauf heute stolz wäre.“

Für die Heimat

Für Saipa ist klar, dass das Leben im Süden für ihn nur eine Station ist. Er will zurück in die Heimat. Zurück nach Goslar und zu seinem Vater. Das junge Paar zieht um. Saipa nimmt eine Stelle bei Chemetall an, und wieder bringt er sich schnell in die SPD ein. Er kämpft gegen die Kosten für Parkplätze am Krankenhaus und dafür, dass es mehr Arbeitsplätze in der Region gibt. Seine politische Arbeit überzeugt schließlich so viele Menschen, dass er in den Landtag gewählt wird.

Saipa lächelt, klopft mir auf die Schulter und sagt: „So bin ich geworden, wie ich bin. Verrate es niemandem, und jetzt lass uns wieder über Arbeitsplätze für die Leute hier vor Ort reden.“